SPY PRODUKT  

Ertrinkschutz-System für öffentliche Schwimmbäder
Der Genfer Bürgermeister André Hediger weihte am 3. Oktober 1995 als Weltpremiere ein hochmodernes Sicherheitssystem zum Schutz vor Ertrinken ein. Das System mit Namen
SPY (Swimming Pool eYe)überwacht ständig, ohne menschliches Zutun, den Boden des Schwimmbeckens und informiert die Bademeister, wenn sich eine Person in Gefahr befindet. Diese Einrichtung wurde infolge eines tödlichen Unfalls im Jahre 1992 entwickelt. Die Entwicklung durch die Firma IEM SA aus Genf in Zusammenarbeit mit dem Sport- und Bäderamt der Stadt Genf nahm viel Zeit in Anspruch. Für das System wurde ein patent angemeldet.

Einleitung
Unsere Gesellschaft hat Schwimmbecken eingerichtet, in denen die Jugend trainieren und jeder einen angenehmen Teil seiner Freizeit mit Sport und Spiel verbringen kann. Diese Einrichtungen, insbesondere die Becken für Schwimmer, zählen mit Sicherheit zu den bestüberwachten Sportstätten. In jedem Schwimmbad gibt es 1,2 oder sogar 3 Bademeister für 10, 40 oder 80 Badegäste. Trotz der Aufmerksamkeit und der Fähigkeiten der Bademeister bleiben jedoch immer wieder ganze Bereiche außerhalb Ihres Sichtfeldes, und dort finden - teilweise tödliche - Unfalle statt. Durch Beleuchtung und Wellenbildung entstehen nämlich Reflexe, durch die die Bademeister nicht an jeder Stelle unter der Wasseroberfläche sehen können, was gerade geschieht. Die moderne Technologie bietet durch das System SPY eine Möglichkeit, die Wirksamkeit der Überwachung zu verstärken, indem es zunächst die unsichtbaren Bereiche überwacht und dann automatisch, systematisch und ununterbrochen mittels eines Computers ausnahmslos alle Ereignisse analysiert.

Eine Studie bei den Versicherten der staatlichen Schweizer Unfallversicherung ergab 5.240 Unfalle beim Schwimmen und Wassersport innerhalb von 3 Jahren. 2,8% von ihnen gingen tödlich aus, 34% der Unfälle geschahen im Schwimmbad, 23% an Seen, 21% in freien Gewässern (Teiche), 12% in Flüssen und 10% an anderen Orten.

Ertrinken
Wenn sich eine Person - ob ohnmächtig oder bei Bewußtsein - infolge von Erschöpfung, Schock, Herzstillstand oder einer Kopfverletzung im Wasser in Schwierigkeiten befindet, steigt der Kohlendioxidgehalt so weit, daß er vom Körper nicht mehr ertragen wird. In diesem Moment wird gewaltsam ein Atemreflex ausgelöst, der sich der Kontrolle des Gehirns entzieht. Im Wasser füllen sich die Lungen mit Wasser und die Person sinkt sofort auf den Grund des Beckens.

Die Überwachung des Bodens
Beim Prinzip der Beckenüberwachung ist die Beobachtung auf den Boden des Schwimmbeckens beschränkt; hierbei wird überprüft, ob dort kein bewegungsloser Körper liegt.Hierzu wurde der untere Rand der Schwimmbeckenmauern abwechselnd mit hellen und dunklen Kacheln ausgekleidet, die ein von acht Unterwasserkameras klar erkennbares Motiv bilden. Die Erkennung dieses Motivs auf der Grundlage eines von der Spektralanalyse (Fourier-Analyse) abgeleiteten Algorhythmus dient einer ständigen Sichtbarkeitsmessung als Basis, bei der ununterbrochen die Frage beantwortet wird: "Ist die gegenüberliegende Wand vollständig sichtbar ?".Wenn ein mindestens 40 cm breiter Teil der Mauer länger als 25 Sekunden nicht mehr sichtbar ist, alarmiert das System automatisch die Bademeister.

Der Alarm besteht aus einem akustischen Gong, der die Aufmerksamkeit des Bademeisters erweckt. Gleichzeitig schalten sich Lampen ein, die den betroffenen Schwimmbeckenbereich angeben. Bisher hat das System immer und ohne zu versagen automatisch den Taucher, der einen Ertrunkenen darstellte, tauchende Schwimmer oder die Reinigungsmaschine erkannt. Das System konzentriert die Überwachung auf die kontrastierten Bereiche der gegenüberliegenden Wand und nicht auf die Identifizierung der Schwimmer und vermeidet so Fehlalarme aufgrund von starken Lichtstärkeschwankungen infolge von Sonneneinstrahlung oder Schatten von Schwimmern oder Wellenbildung auf der Wasseroberfläche. In Extremfällen wie z.B. bei sehr trübem Wasser, unzureichender Beleuchtung - z.B. bei Gewittern - oder Blendung der Kamera schaltet sich das System von selbst ab und zeigt den Bademeistern durch eine rote Kontrollampe den vorübergehend nicht mehr überwachten Bereich an.

Wirtschaftliche Aspekte
Das automatische Detektionssystem
SPY kostet rund 2 bis 3 % der gesamte Überwachungskosten eines Olympiaschwimmbeckens. Im Hinblick auf die Unbezahlbarkeit eines menschlichen Lebens und die negative Werbung, die das Ertrinken eines Badegastes für ein Schwimmbad macht, handelt es sich inWirklichkeit um eine sehr niedrige Summe.

Schlußfolgerung
Die neuen Technologien ändern nichts an den Aufgaben der Bademeister. Sie müssen immer noch bereit sein, einzuschreiten, wenn Gefahr besteht, ob diese nun von einem Badegast, vom System
SPY oder von einem Bademeister gemeldet wurde. Bei diesem automatischen System handelt es sich um eine Hilfe, die die Qualität der Überwachung beträchtlich erhöht, letztere jedoch nicht ersetzen kann. Anstelle einer Schlußfolgerung diese Bemerkung eines Bademeisters im Schwimmbad an einem schönen Sommertag: "SPY ist bereits unser bester Kollege, denn es ist beunruhigend und verunsichernd, zu beobachten, ohne zu sehen. Unser moralischer Vertrag verlangt von uns, alles zu sehen und die Badegäste sind davon überzeugt, daß wir sie überwachen".

Sportunfälle 29.2 de Kurt Biener, Verlag Hans Huber Bern Göttingen Toronto

     
   
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